Jaco Pastorius Bass Museum

In den späten siebziger Jahren hatte er sein Instrument neu erfunden, den elektrischen Bass, hatte ihm einen singenden Ton verliehen, die Flageoletts beigebracht, ihn aus seiner Dienerschaft in der Rhythmussektion befreit und in das Gerät eines Virtuosen verwandelt. Die Jazzband “Weather Report” wurde mit Jaco Pastorius zu einem Welterfolg, und einige der schönsten Platten jener Zeit entstanden mit diesem Ton: Joni Mitchells “Hejira” (1976) und das Live-Album “Shadows and Light” (1980, “Bright Size Life” (1975), das erste Album von Pat Metheny und das Soloalbum “Jaco” (1974). Millionenfach wurde dieser Ton kopiert, und wer heute dieses Instrument beherrscht, hat mit Jaco Pastorius gelernt.

 

 

Er selbst allerdings kam mit diesem Ruhm nicht zurecht. In den frühen achtziger Jahren versank er in Drogen, verließ seine Familie, wurde zu einem Obdachlosen in New York. Das Instrument, mit dem er sich seine Bedeutung erspielt hatte, der eine Bass vor allen anderen, wurde ihm im Jahr 1986 im Central Park gestohlen – während er schlief, Basketball spielte oder auf andere Weise nicht bei Sinnen war.
Dieses Instrument ist nun wieder aufgetaucht. Wer immer es besessen hatte, übergab es in New York dem Studiomusiker Will Lee, der zwei seiner berühmtesten Kollegen, Victor Wooten und Victor Bailey, einlud, sich von der Echtheit des Basses zu überzeugen.

Die Aufmerksamkeit, die seitdem unter Bassisten auf diesem Instrument ruht, hätte nicht größer sein können, hätte man den Gral gefunden: ein Fender Jazz Bass aus dem Jahr 1962 mit einem extrem schmalen Hals, aus dem Pastorius mit einem Buttermesser die Bünde entfernt hatte.

Die Fugen hatte er mit Kitt gefüllt und das Griffbrett mit Bootslack überzogen, um zu verhindern, dass die Saiten ins Holz schliffen. Das klingt roh, und roh ging Pastorius mit seinem Instrument um, das er selbst “Bass of Doom” (“Bass des Schicksals”) getauft hatte, warf es über die Bühne, ließ es in der Bucht von Hiroshima baden, zog mit ihm durch New York City, ohne es mit einem Koffer zu schützen. Und doch war da ein unvergleichlich musikalischer Ton, der sich bitzschnell ändern konnte von einem tiefen, langen Grollen in ein helles Jubilieren.

Die drei examinierenden Bassisten teilen über die Zeitschrift Bass Player mit, dass dieser Ton noch immer im Bass wohne, und rühmen die Geradheit des Halses. Klangfarbe, Wärme und Beständigkeit des Tons seien exakt so, wie auf der Aufnahme der berühmten Ballade “A Remark You Made” dokumentiert. Auch lasse sich das Instrument besonders leicht korrekt intonieren.

Für Hunderttausende von Nachahmern ist diese Nachricht insofern eine Erleichterung, als nun nicht mehr der Musiker allein für den Ton verantwortlich ist.

 

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